Australien – so weit und doch so nahWeinverbindungen zwischen Australien und dem deutschsprachigen Raum Die Flugdauer Frankfurt - Sydney (mit Zwischenstopp) dauert mehr als 20 Stunden – nur der einfache Flug. Australien scheint auch heute noch eine halbe Ewigkeit entfernt. Umso erstaunter ist mancher Reisende, wenn er vor dem „Swiss Club of Victoria“ (gegründet 1899) in Melbourne steht, im „Die Barossa Wurst Haus & Bakery“ in Tanunda (South Australia) Sauerkraut aus Deutschland serviert bekommt oder in Adelaide im Januar am zweitgrößten „Schützenfest“ der Welt teilnehmen kann. Und auch im australischen Weinbau ist der Einfluß aus dem deutschsprachigen Raum nicht zu übersehen.
Zwar wurden die ersten Weinreben in Australien bereits 1788 von Arthur Philipp in Sydney gepflanzt und Weinreben von vielen Einwanderern ins Land gebracht (James Busby), doch war der Zustrom deutscher und insbesondere lutherischer Einwanderer aus Schlesien um 1850 „für Südaustraliens Weingeschichte (...) entscheidend“, so Anthony Rose im Buch Wein (*1).
Für den schlesischen Einwanderer Johann Christian Henschke war Australien 1841 lange 98 Tage entfernt. Das von ihm gegründete Weingut Henschke im Eden Valley ist noch immer im Familienbesitz und hat (auch mit seinem „Hill of Grace“ Shiraz) Weltruhm erlangt.
Christian Aurich, ein schlesischer Schmied, der ebenfalls aus Glaubensgründen emigrierte, pflanzte 1843 Shiraz-Reben bei Langmeil, das heute zu Tanunda gehört. Da die Region von der Reblaus verschont geblieben ist, tragen die Stöcke noch immer und zählen zu den ältesten Shiraz-Reben weltweit. Drei Freunde aus dem Barossa kauften 1996 den Weinberg und gründeten die Langmeil Winery.
Der aus Bayern stammende Johann Gramp pflanzte 1847 die ersten Weinreben am Jacob´s Creek und gründete Orlando Wine, das heute zu Pernot Ricard Pacific gehört. Jacob´s Creek ist die bekannteste, international erhältliche Weinmarke Australiens. (*2)
Schweizer und später deutsche Siedler spielten auch in der Geschichte des Weinbaus in Victoria eine große Rolle. Durch einen Aufenthalt in der Schweiz hatte Charles Joseph La Trobe, Superintendant des Port Phillip Districts, gute Kontakte. Schweizer Familien siedelten in Geelong und Lilydale (*3) im Yarra Valley. Leider ging der Weinbau in dieser Region in den 1920ern zurück, doch wurden viele Weingüter in den 1960er und 1970er Jahren neu gegründet. „Dieses Anbaugebiet ist in Australien derzeit groß in Mode.“, schreibt Robert Parker in seinem Wein Guide (*4). Yarra Yering wird von ihm als einer der besten Weinbaubetriebe der Region bezeichnet und ist auch in Deutschland erhältlich.
1850 gab es in Victoria mühsam angelegte 160 acres (ca. 65 ha) Rebfläche (*3). 2008 werden in ganz Australien auf 166 197 ha Wein angebaut. (*5), mehr als in Deutschland mit knapp über 100 000 ha (*6). Australien ist 2008 der sechstgrößte Weinerzeuger weltweit nach Italien, Frankreich, Spanien, USA und Argentinien (*7) und der viertgrößte Weinexporteur nach Frankreich, Italien und Spanien. (*8)Deutschland ist sowohl mengenmäßig (3%) als auch wertmäßig einer der Top Ten Absatzmärkte für australischen Wein. Die Schweiz (mengenmäßig knapp 0,5%) ist in den Top 20 der Abnehmer (*9).
Einige besondere und doch so unterschiedliche Menschen, die Wein lieben und die Grenzen auch zwischen Kontinenten überschritten haben, sollen an dieser Stelle kurz vorgestellt werden.
Eine der herausragenden Persönlichkeiten der modernen australischen Weingeschichte ist der 1934 in Deutschland geborene Wolf Blass. Nach einer fundierten Ausbildung (Winzerlehre und Studium in Würzburg) sammelte er Berufserfahrung in mehreren europäischen Ländern. Auch wegen seiner Kenntnisse in der Schaumweinbereitung, wurden ihm 1960 Stellen in Australien und Venezuela angeboten. Eher durch Zufall entschied er sich für Australien und wanderte 1961 mit 100 Pfund in der Tasche aus. Er arbeitete als freier Berater und als Winemaker, bis er sich 1973 mit einer Rebfläche von nur einem ha (2,5 acres) selbstständig machte. Ihm und seinem Winemaker John Glaetzer gelang der Durchbruch beinahe sofort, indem sie 1974, 75, und 76 hintereinander die begehrte Jimmy Watson Trophy gewannen. Seitdem ist das Unternehmen immer weiter gewachsen. 2001 wurde Wolf Blass der Order of Australia verliehen und 2005 das Bundesverdienstkreuz für die Förderung guter Beziehungen und Partnerschaften zwischen Deutschen und Australiern, ihren Kulturen und Ländern. (*10)
Bob Gogan ist ein Australier in fünfter Generation. Seine Liebe zum Wein hat er mit ungefähr 20 entdeckt, zu einer Zeit, “in der man beginnt, die besseren Dinge im Leben zu schätzen”. Gemeinsam mit Freunden organisierte und besuchte er Proben. Seitdem ist er immer auf der Suche nach (dem) besonderen Tropfen. Dabei muß der Wein nicht teuer oder zwingend australisch sein. Aber etwas ganz Besonderes. Geboren und aufgewachsen in Adelaide und Sydney, bereiste er in seinem Berufsleben (Seagrams, British Airways und Tourism Australia) die Welt. Hängengeblieben ist er in Frankfurt. Seine Leidenschaft Wein gewann die Oberhand und er gründete ein Import und Distributionsunternehmen. Mit Weinen von 6 kleinen, im Familienbesitz befindlichen Weingütern bringt er uns Australien nahe.
Felicity Carter ist ein weiteres Beispiel wie „nah“ Australien und Deutschland sein können. Sie ist in Deutschland geboren, weil ihr Vater als australischer Armeeangehöriger hier stationiert war, und in Australien aufgewachsen. Als freiberufliche Journalistin entdeckte sie ihre Liebe zum Wein und spezialisierte sich auf dieses Thema. Als dann das Angebot aus ihrem Geburtsland Deutschland kam, in der Redaktion der englischsprachigen Weinfachzeitschrift „Wine business international“ zu arbeiten, griff sie zu und ist nun editor-in-chief. Auch Deutschland kann ganz nah sein.
Ein erfolgreiches schweizer-australisches Joint Venture ist das Weingut LanzThomson im Barossa Valley. Es gehört zwei Paaren, die durch längjährige Freundschaft verbunden sind. Doch entstand die Zusammenarbeit eher zufällig. 1998 hatten die Australier Anne und Brian nach vielem Suchen und Überlegen ihre Weinberge angelegt, als die Schweizer Marianne und Thomas zu Besuch kamen. Ein Stück Land auf der anderen Seite des Hügels stand zum Verkauf. Zurück in der Schweiz wurde dann recht kurzfristig über den Kauf entschieden. Und dem Joint-Venture standen noch einige weitere Hürden im Weg: erst die dritte und letzte geplante Bohrung nach Wasser war erfolgreich. Innerhalb von einer Woche mußten Umbaupläne für die vorhandene Scheune zum Wohnhaus eingereicht werden, weil sich die Gesetzgebung änderte…Und alle Sorgen und Mühen der Vier haben sich bezahlt gemacht: Bereits der zweite gemeinsame LanzThomson Jahrgang wurde von James Halliday mit 94 Punkten bewertet. Von „Unbekannt“ zum „5-Sterne-Weingut“. So nah kann Australien sein – mit guten Freunden.
Jutta Sievers
*1) „Wein“ von André Dominé, Könemann Verlag, 2000, ISBN 3-8290-2765-6 (Kapitel Australien & Neuseeland von Anthony Rose)
„ The Wine Industry of Australia 1788 1979“ von Gerald Walsh in Wine Talk A.N.U. Canberra,1979
*4) „Parker´s Wein Guide“ von Robert M. Parker, Jr., Heyne Verlag, 2000, ISBN 3-453-16305-2
*5) winefacts „ Australian Wine Sector at a glance, 2008“, Australian Government, Australian Wine and Spirit Corporation
*5) www.deutscheweine.de unter Statistik Download
*7) „Market Insight Report. Global Wine Supply Monitor, January 2009“, Australian Government, Australian Wine and Spirit Corporation
*8) www.wineaustralia.com
*9) winefacts „ Australian Wine Export Approvals, By country, Volume und Value“ 2004/05 bis 2007/08, Australian Government, Australian Wine and Spirit Corporation
*10) http://www.wolfblass.com.au/brands/wolfblass/history/theman.asp
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